Diskussionen zu Kernenergie (aus "Elektromobilität")

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CarstenS

Erfahrenes Mitglied
08.09.2012
2.509
393
Nein, die Summe war nicht gedeckelt. Kann man nachlesen, war schließlich Gesetz. Fake News!

Die Rückstellungen der deutschen Energiekonzerne für die Entsorgung waren 2016 knapp 40 Mrd EUR.

Da es kein gesichertes Konzept gab, ist das eine willkürliche Zahl, basierend auf Schätzungen. Und wenn der betreffende Konzern die Grätsche macht, weil die tatsächlichen Kosten aus dem Ruder laufen, muss der Staat einspringen.

Ja - ich muss mich korrigieren, die Entsorgung - die Kosten der Entsorgung waren nicht gedeckelt.

Allerdings war diese Summe in Ermangelung eines gesicherten und vereinbarten Konzepts zur Entsorgung/ Rückbau eher die Kategorie willkürlich oder im Finanzsprech eine Risikovorhaltung und damit ein Verlagern auf die Zukunft. Und im Insolvenzfall (Kostensteigerungen) wäre auch ein Loch da.

Wenn also mit Kosten der Kernkraft argumentiert wird, ist ein erheblicher Teil (Entsorgung/ Rückbau) einfach nur geschätzt und daher für eine Argumentation eher schwach.

Meine Aussage, dass die 4 bis 5 Ct Strompreis für Kernkraft geschönt sind (weil eben ein erheblicher Kostenfaktor mangels Konzept nur ein Risiko ist) - bleibt.
 

chrigu81

Erfahrenes Mitglied
16.02.2016
525
149
Zürich
Ich empfehle nochmal den Vortrag von Hans Werner Sinn (https://youtu.be/_jBnhq8qnc4). Da wird verdeutlicht, weshalb man wegen Dunkelflauten Energiespeicher für den Energieverbrauch mehrerer Tage bis Wochen braucht.
Und wenn mir wie oben beschrieben der Strom frühzeitig abgestellt wird, weil die Wettervorhersage nicht passt, lasse ich mir das entweder teuer vergüten oder habe aber so gar keine Freude. Ich denke nicht, dass man den Verbrauch im grossen Stil steuern kann ohne erheblichen wirtschaftlichen Schaden.
 

Polux

Reguläres Mitglied
20.04.2019
46
10
Nein, die Summe war nicht gedeckelt. Kann man nachlesen, war schließlich Gesetz. Fake News!
Es gab eine Verpflichtung einen bestimmten Teil in die Rücklagen zu stecken.
Wenn dieser Teil dann in 30 Jahren nicht ausreicht, gehen die entsprechenden Betreiber-GmbHs oder Abspaltungs-AGs in die Insolvenz. So war es schon immer gedacht und geplant. Am Ende gibt es offiziell keine Deckelung, aber realfaktisch ist die Summe gedeckelt.
Bei dem neuen Entsorgungsfondsgesetz gibt es eine Nachschusspflicht, diese kann aber durch einen Risikoaufschlag umgangen werden.

DUNKELFLAUTE
Ich glaube mittlerweile, dass du gar nicht in dem Bereich arbeitest, sonst würdest du die Dunkelflaute nicht anführen als Grund gegen EE.
Das geht schon los mit der europäischen Vernetzung der Stromnetze (Dunkelflaute ist regional) und endet bei Gaskraftwerken, die dann einspringen würden. Das ist auch nicht so CO2 schädlich wie man jetzt denken könnte, denn die Dunkelflaute kommt selten vor und ist nicht lange und daher wäre die produzierte Energie (Gaskraftwerke laufen dann auf Volllast) nicht nur vollkommen ausreichend, sondern auch nur eben kurz CO2 schädlich. An 361 Tagen im Jahr laufen diese Gaskraftwerke aber dann nur zur Spitzenlastüberbrückung und als Ausgleich von Schwankungen. Die Menge an produziertem CO2 wäre fast zu vernachlässigen durch die Dunkelflaute.
 
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chrigu81

Erfahrenes Mitglied
16.02.2016
525
149
Zürich
@Polux, ich empfehle dir wirklich den von mir vorher verlinkten Vortrag von Hans Werner Sinn anzuschauen. Dann wirst du merken, dass du bei Dunkelflauten ziemlich daneben liegst. Das ist bei weitem nicht so regional und zeitlich begrenzt wie du denkst. Oder erkläre mir bitte alternativ wo Hans Werner Sinn seine Zahlen falsch interpretiert. So wie von dir gerade geschrieben ist das leider eine haltlose Behauptung.
 

Polux

Reguläres Mitglied
20.04.2019
46
10
Mit regional meinte ich natürlich nicht Landkreis X, sondern dann regional im Vergleich zu kontinental/global.
In Deutschland gibt es dann eine Dunkelflaute, aber es gibt halt das Europäische Stromnetz mit seinen vielen Übertragungsnetzbetreibern (wir haben 4) und deshalb ist eine "regionale" Dunkelflaute im Europäischen Stromnetz kein Problem. Wenn Herr Sinn etwas anderes behauptet, dann interpretiert er seine Zahlen so wie er sie gerne interpretieren möchte.
Ich behaupte nicht, dass der IST-Zustand schon ausreicht, aber noch laufen ja Kohle, Atom.

Vielleicht weiß Herr Sinn auch nicht was eine Dunkelflaute ist wenn er den Begriff nutzt.
 

costa verde

Aktives Mitglied
10.10.2017
142
25
NUE
DUNKELFLAUTE
Ich glaube mittlerweile, dass du gar nicht in dem Bereich arbeitest, sonst würdest du die Dunkelflaute nicht anführen als Grund gegen EE.
Das geht schon los mit der europäischen Vernetzung der Stromnetze (Dunkelflaute ist regional) und endet bei Gaskraftwerken, die dann einspringen würden.

Da hast was falsch verstanden. Ich bin nicht gegen EE. Nur jedem Ingenieur ist klar, das EE alleine derzeit nicht reichen würden. Bestätigst du ja selber. Es hat seinen Grund, warum UK, hinsichtlich Klimazielen WEIT vor der EU, auch auf Kernkraft setzt. Das Märchen von " das Netz ist der Speicher" höre ich seit 20 Jahren. Ist es nicht. Glaub es oder nicht, mir persönlich wurscht.

Immerhin schön, das wir die Lüge von der angeblich gedeckelten Haftung der Rückbaurisiken entlarven könnten.
 
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chrigu81

Erfahrenes Mitglied
16.02.2016
525
149
Zürich
Mit regional meinte ich natürlich nicht Landkreis X, sondern dann regional im Vergleich zu kontinental/global.
In Deutschland gibt es dann eine Dunkelflaute, aber es gibt halt das Europäische Stromnetz mit seinen vielen Übertragungsnetzbetreibern (wir haben 4) und deshalb ist eine "regionale" Dunkelflaute im Europäischen Stromnetz kein Problem. Wenn Herr Sinn etwas anderes behauptet, dann interpretiert er seine Zahlen so wie er sie gerne interpretieren möchte.
Ich behaupte nicht, dass der IST-Zustand schon ausreicht, aber noch laufen ja Kohle, Atom.

Vielleicht weiß Herr Sinn auch nicht was eine Dunkelflaute ist wenn er den Begriff nutzt.
Ich merke du hast dir die Mühe nicht gemacht den Vortrag zu schauen. Ansonsten wüsstest du, dass Dunkelflauten ein Europaweites Phänomen sein können. Zeigt er schön anhand konkreter Wetter und Messdaten aus den letzten paar Jahren. Was du erzählst, ist was uns die Politik glauben machen will, die harten Daten sagen jedoch etwas ganz anderes aus...
Noch ein Bericht vom SWR, Europaweite Dunkelflauten sind alle 5 Jahre zu erwarten. Das ist jetzt nicht soo selten (https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/dunkelflaute-solarstrom-alternative-energien-100.html). Ist aber natürlich Ansichtsache.
 
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CarstenS

Erfahrenes Mitglied
08.09.2012
2.509
393
Diskussionen zu Kernenergie (aus "Elektromobilität")

Immerhin schön, das wir die Lüge von der angeblich gedeckelten Haftung der Rückbaurisiken entlarven könnten.

Darf ich bitten, verbal etwas abzurüsten (‚Lüge‘, ‚Fake News‘)?

Es bleibt Fakt, dass es kein gesichertes und vereinbartes Konzept zur Endlagerung und Rückbau gibt.
Damit ist keine seriöse Kalkulation der Kosten möglich. Sondern nur eine Abschätzungen.

Somit ist der Preis der durch Kernkraft erzeugten Energie ein reiner Schätzwert - einfach weil ein erheblicher Teil fehlt/ geschätzt ist.

Der Rahmen ist rechtlich so gesetzt (Rückstellungen und seit 2016 Übernahme der Verantwortung durch den Staat), daher hat das formal seine Ordnung. Das es formal seine Ordnung hat, habe ich auch nie in Zweifel gezogen.

In einer Diskussion um das Pro und Con des politischen Rahmens, ist es aber ein völlig wertloses Argument, da es ja um die Frage geht, ob dieser gesetzte Rahmen sinnvoll ist.
Da als Argument eine Zahl, deren Berechnung sich eben aus diesem Rahmen ergibt, heranzuziehen, ist schon ein bisschen wie sich selbst an den Haaren aus dem Sumpft zu ziehen.

Du wirfst den Strategien, die auf EE setzen, allerlei Dinge vor, was angeblich nicht bedacht oder berücksichtigt sei und wo das Konzept lückenhaft sei.
Dabei ist die deutsche Kernkraft nicht mal in der Lage, abschließend die tatsächlich vollständigen Kosten der damit verbundenen Energieerzeugung zu benennen.

Bei einer derart schwachen und wackeligen Argumention sind Begriffe wie ‚Lüge‘ und ‚Fake News‘ doch sehr anmaßend.
 
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costa verde

Aktives Mitglied
10.10.2017
142
25
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Darf ich bitten, verbal etwas abzurüsten (‚Lüge‘, ‚Fake News‘)?

Bei einer derart schwachen und wackeligen Argumention sind Begriffe wie ‚Lüge‘ und ‚Fake News‘ doch sehr anmaßend.

Deine Aussage war, das die Rückbaukosten gedeckelt waren. Das ist falsch, sie waren ungedeckelt. Vielleicht war keine Lüge, aber eben unwahr.
 

CarstenS

Erfahrenes Mitglied
08.09.2012
2.509
393
Deine Aussage war, das die Rückbaukosten gedeckelt waren. Das ist falsch, sie waren ungedeckelt. Vielleicht war keine Lüge, aber eben unwahr.

Und diese Aussage habe ich auf Grund der Hinweise korrigiert.

Die falschen Aussagen zum Preis werden dagegen weiter munter verbreitet und gleichzeitig die Debatte mit den Schlagworten emotionalisiert.
 
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LH88

Erfahrenes Mitglied
08.09.2014
8.876
1.552
Eine Kernschmelze des Castor Behälters kann physikalisch ausgeschlossen werden. Rückbaukosten werden über eine Rücklage bedient, nicht über eine Versicherung. Die Rücklagen hat im Zuge des Atomausstieges der Staat übernommen, zusammen mit den entsprechenden Risiken. Ob das eine kluge Entscheidung war steht noch in Frage.

Nur weil eine Kernschmelze ausgeschlossen werden kann verzichtet man gleich ganz auf die Versicherung? Die vorhandenen Risiken müssen doch weiter versichert werden, alles andere wäre grob fahrlässig. Wenn sie ungedeckelt vom Staat übernommen werden können wir in ein paar tausend Jahren über die Kosten des Atomstroms reden - vorher fehlen einfach ein paar Faktoren.
 

Luftikus

Erfahrenes Mitglied
08.01.2010
15.677
1.274
irdisch
Was ist das eigentlich für ein gespielt naiver Grundansatz gegenüber der Kernkraft? Wir sehen ja 70 Jahre "Nutzungsgeschichte" und was es für Probleme und Erfahrungen gibt? Man braucht heute nicht mehr auf "Stunde Null" zu machen. Gerade bei den Kostenrechnungen kann man bestimmte Aspekte nicht einfach ausblenden, die dann die Allgemeinheit begleichen muss, nur damit die eigenen Zahlen besser aussehen.
 
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tian

Erfahrenes Mitglied
26.12.2009
10.602
16
Deine Aussage war, das die Rückbaukosten gedeckelt waren. Das ist falsch, sie waren ungedeckelt. Vielleicht war keine Lüge, aber eben unwahr.

Wenn dich das stört gehört zur Wahrheit aber auch, dass das Geld für den Rückbau nirgends rumlag sondern nur Rückstellungen in den Bilanzen der Unternehmen gemacht wurden:

Rückstellungen sind Schulden, die zu einem späteren Zeitpunkt bezahlt werden müssen. Es kommt auf die Fähigkeit an, dass ein Unternehmen später diese Schulden auch bezahlen kann. Quelle

Am Ende lag das wahre Risiko immer beim Steuerzahler.

Atomstrom hat natürlich Vorteile, nur haben wir uns als Gesellschaft dafür entschieden, dass wir einen anderen Weg gehen. Zumindest ich kann bisher nicht erkennen, dass der eingeschlagene Weg falsch ist.
 
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LH88

Erfahrenes Mitglied
08.09.2014
8.876
1.552
Beim Atomausstieg gab es 513/600 Ja-Stimmen und 79/600 Nein-Stimmen. Die Nein-Stimmen kamen von DIE LINKE, die Ja-Stimmen von CDU/CSU, FDP, SPD, DIE GRÜNEN. Bei der nächsten Bundestagswahl 2013 hatte die CDU/CSU einen Stimmenzuwachs von 7,7 %.
Wäre die Bevölkerung so stark gegen den Atomausstieg gewesen, wäre BK Merkel weg gewesen und es hätte keine Große Koalition geben können.
Ich finde schon, dass der Ausstieg eine demokratische und keine politische Entscheidung war, eben weil es keine Nachbeben gab.

Genau das ist für mich die Begründung das es eine politische Entscheidung war, die regierende Koalition hat dem Bürgerwillen vorgegriffen um im Amt zu bleiben, bzw. um die eigene Position zu stärken. Sie wurden ja nicht gewählt in der Erwartung die KKWs abzuschalten, im Gegenteil sie haben sogar gedacht das ihre Wähler den Ausstieg aus dem Ausstieg mittragen werden.

Das die politische Entscheidung dann von den Wählern bestätigt wurde macht aus der Entscheidung keine demokratische.
 

Luftikus

Erfahrenes Mitglied
08.01.2010
15.677
1.274
irdisch
Die zivile Kernkraft hat man im kalten Krieg ohne echte Wirtschaftlichkeitsberechnung auch mal vorsorglich im weiteren Umfeld der Atombombe aufgebaut. Inklusive der Forschung, Personal, Material/Brennelemente, Aufbereitungsanlagen und Infrastruktur. Im kalten Krieg wollte man wohl, wie viele Staaten, sogar zeitweise die Schweiz, die fernere, theoretische Option haben, bevor das aber bei uns übergeordnet politisch gestoppt wurde. Zuletzt nochmal mit der deutschen Einheit, Stichwort Hanau. Meiner Meinung nach hat es nie eine echte, wahrhaftige Wirtschaftlichkeitsbewertung gegeben. Viele Kosten wurden verschleiert. Da lag lange so ein Geheimhaltungsnebel drüber.

Schon lustig, dass jetzt die Skandinavier mit PR-Greta und Vattenfall uns wieder auf Atomkraft zurückbringen wollen.
 

mbraun

Erfahrenes Mitglied
09.07.2011
825
328
Das die politische Entscheidung dann von den Wählern bestätigt wurde macht aus der Entscheidung keine demokratische.

Eine demokratisch gewählte Regierung trifft eine (schwierige) Entscheidung und wird in der Folge wieder gewählt. Was um Himmels willen ist an diesem Vorgang nicht demokratisch?
Schliessen sich politisch und demokratisch jetzt aus? Sind Entscheidungen nur noch demokratisch, wenn per Volksabstimmung getroffen?
Sorry, aber spätestens jetzt wirds quer...
 

LH88

Erfahrenes Mitglied
08.09.2014
8.876
1.552
Eine demokratisch gewählte Regierung trifft eine (schwierige) Entscheidung und wird in der Folge wieder gewählt. Was um Himmels willen ist an diesem Vorgang nicht demokratisch?
Schliessen sich politisch und demokratisch jetzt aus? Sind Entscheidungen nur noch demokratisch, wenn per Volksabstimmung getroffen?
Sorry, aber spätestens jetzt wirds quer...

Im Prinzip hast du natürlich recht, aber hier geht es um die 360 Grad Wende. Erst der Ausstieg aus dem Ausstieg nach der Wahl (das war die Linie für die man die CDU gewählt hat) um dann diese Entscheidung wieder Rückgängig zu machen.

Als Wähler sollte man sich eben darauf verlassen können das die Politiker zu ihrem Wort stehen. Und die Atomenergie wurde durch Fukushima nicht gefährlicher - das war kein Erkenntnisgewinn - sondern hat nur deutlich gemacht das die Gefahren eben sehr real sind.

Und wenn die Politik gegen den demokratischen Willen eine Entscheidung trifft (Verlängerung der Laufzeiten der KKW im Jahr 2010) und dann zurückrudert weil man merkt das man sonst den Rückhalt in der Bevölkerung verliert dann mag das zwar im Endeffekt den demokratischen Willen abbilden - aber es entspricht eben nicht einem demokratischen Prozess, den dieser hatte bereits zum Ausstieg aus der Kernkraft geführt.
 
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chrigu81

Erfahrenes Mitglied
16.02.2016
525
149
Zürich
Was ist das eigentlich für ein gespielt naiver Grundansatz gegenüber der Kernkraft? Wir sehen ja 70 Jahre "Nutzungsgeschichte" und was es für Probleme und Erfahrungen gibt? Man braucht heute nicht mehr auf "Stunde Null" zu machen. Gerade bei den Kostenrechnungen kann man bestimmte Aspekte nicht einfach ausblenden, die dann die Allgemeinheit begleichen muss, nur damit die eigenen Zahlen besser aussehen.
Sehe ich genauso, mit der Ausnahme, dass sich beide Seiten die Zahlen so zurecht legen wie sie es für richtig halten und damit auch auf verschiedene Resultate kommen. Ob die Allgemeinheit am Schluss etwas Zahlen muss würde ich nicht ausschliessen, es ist aber bei weitem nicht gegeben. Da sind noch zu viele Variablen im Spiel. Passiert bei uns ein Unfall oder nicht? Wird die Endlagerung zügig entschieden oder Politisch hinausgezögert so lange es nur geht? Brauchen wir überhaupt ein Endlager oder gehen wir doch den Weg von Abfallverwertung? Je nachdem was bei den sicher nicht vollständig gelisteten Variablen rauskommt, wird das Endresultat völlig unterschiedlich ausfallen. Ich kann mir dabei eine Bandbreite von "reicht dicke" bis zu "reicht bei weitem nicht" durchaus vorstellen.
 

costa verde

Aktives Mitglied
10.10.2017
142
25
NUE
Was ist das eigentlich für ein gespielt naiver Grundansatz gegenüber der Kernkraft? Wir sehen ja 70 Jahre "Nutzungsgeschichte" und was es für Probleme und Erfahrungen gibt? Man braucht heute nicht mehr auf "Stunde Null" zu machen. Gerade bei den Kostenrechnungen kann man bestimmte Aspekte nicht einfach ausblenden, die dann die Allgemeinheit begleichen muss, nur damit die eigenen Zahlen besser aussehen.

" gespielt naiv"? Nun ja...

Irgendwie dreht sich die Diskussion hier im üblichen Kreis. Hab ich keinen Bock drauf. Ich kann und möchte Kernkraftgegner nicht agitieren, ich bedauere aber akzeptiere den Ausstieg in Deutschland. Mir wäre an einer echten technischen Diskussion gelegen, wie oben schon mal gefragt würde ich gerne wissen, was nach Atom, Kohle, Gas kommen soll? Wo sind die versprochenen Speicher um die EE zu puffern? Und bitte echte Lösungen vorschlagen, keine Parolen a la " das Netz ist der Speicher".

Falls jemand ernsthafte technische Fragen zu KKW hat, beantworte ich die gerne. Gegenseitiges agitieren hingegen sollten wir uns sparen.
 
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Polux

Reguläres Mitglied
20.04.2019
46
10
Du verschließt dich doch auch den technischen Argumenten:
Hans-Werner Sinn will es entweder nicht erklären oder weiß es nicht besser. Zum Thema E-Autos hat er sich auch mal sehr kritisch geäußert und seine Kritik wurde zerrissen.

Niemand will ja zu 100 % das Stromnetz ausschließlich nur (!) mit Windenergie und Solarkraftwerken betreiben.
Es geht (in weiter Zukunft) um Emmissionsfreie Stromerzeugung. Das ist ein Unterschied!
Man produziert also an normalen Tagen mit 100 % emmisionsfreien Stromerzeugeren (Wind, Solar) den gesamten Bedarf (100%) an Strom.
An schlechten Tagen/Wochen im Sommer (in Norddeutschland eine Regenwoche - bewölkt, wenig Wind) kann das europäische Stromnetz den regionalen Produktionsentfall (weniger als sonst) locker ausgleichen.
Im Winter, wenn beispielsweise eine windstille Woche mit einer Wolkendecke gleichzeitig auftrifft (höherer Verbrauch weil Winter, weniger Produktion Wind + Solar), kommen die verschiedenen Lösungen zum Tragen:

Einmal wurde im Sommer mit Überschuss an EE durch "Power to Gas"-Erdgas (emmisionsfrei weil "Power to Gas") große Mengen an Energie in Kavernenspeichern gespeichert.
Zweitens herrscht niemals überall Windstille (von Südsizilien bis Nordnorwegen) und Wind wird immer europaweit zumindest zum Teil verfügbar sein. Durch das Stromnetz auch verteilt verfügbar sein. (Übertragungsverluste sind natürlich klar)
Dann gibt es herkömmliche Speichermöglichkeiten (hat Werner Sinn ja angesprochen), die auch ihren Teil beitragen.
Gleichzeitig wird es immer auch konventionelle Gaskraftwerke geben, weil wegen Fernwärme und Spitzenlastabdeckung bei Strom notwendig und eben wegen solchen Tagen/Wochen.
Die laufen dann natürlich auf Hochtouren, entweder mit "Power to Gas"-Erdgas oder konventionellem Erdgas (Russland, Türkei etc.)
Biomasse ist noch ein weiterer Spezialfall, denn es könnte sein, dass man in diesem Zukunftsszenario im Sommer so viel Wind und Solar hat, dass man Biomasse ausschließlich (oder zum großen Teil) für den Winter vorhält. Es würden dann mehr Biogasanlagen gebaut werden, aber diese werden erst im Herbst eingeschaltet und mit dem "gebunkerten Brennstoff" betrieben.
Im Herbst und Winter ist der Wind eher stärker als im Sommer und deshalb haben Windkraftanlagen auch einen enormen Stellenwert in dem Zukunftsszenario.
Dann gibt es noch den Teil der Lösung und der nennt sich "Vehicle-to-Grid". Finde ich persönlich nicht gut, aber auch hier wird es Maßnahmen geben, dass dann der volle Akku am PKW seinen Strom "spenden" muss. Das geht natürlich nur zum minimalen Ausgleich (Spitzen) und nicht über eine Jahreszeit (logisch).
Wichtiger ist dann eher "Power-to-Heat", also ein Erwärmen von Wasser oder anderen Flüssigkeiten mit Überschussstrom und bei fehlendem Strom bezieht man aus dem erwärmten Wasser seine Wärme. Statt wie vielleicht sonst mit der Wärmepumpe (Strom) oder der Erdgasheizung (Erdgas).

Wie geschrieben:
NOCH alles Zukunftsmusik, aber NOCH auch nicht notwendig weil Kohle vorhanden ist und E-Autos nur einen kleinen Teil des Stromverbrauchs ausmachen.
Aber so zu tun, als wenn das alles nicht möglich wäre (Hans-Werner Sinn) ist einfach nur Unsinn.
 
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chrigu81

Erfahrenes Mitglied
16.02.2016
525
149
Zürich
Ich habe nie behauptet, dass es technisch nicht möglich ist. Ich bezweifle jedoch, dass es Wirtschaftlich tragbar ist so wie aktuell in D angedacht. Du schreibst von weiter Zukunft, welcher Zeithorizont ist das für dich? Ist es bis dahin egal wie viel CO2 bei der Stromherstellung erzeugt wird? Wenn ja, dann ist alles ok, wenn nein, und davon gehe ich wegen dem Pariser Abkommen aus, was ist in D die kurz bis Mittelfristige Alternative zu Kohle und Gas um die Klimaziele zu erreichen?
HWS geht ja auch nicht von 100% Solar und Wind aus. Er legt jedoch einleuchtend dar, weshalb ab einem gewissen Prozentsatz an volatilen EE, der nutzen nur noch sehr beschränkt ist. Die Kurve beginnt ab 40% deutlich abzufallen bei der Wirtschaftlichkeit. Er sagt daher, und da stimmst du so wie ich das sehe sogar überein, dass es eine Kombination von volatilen EE, Speicher und stabiler Stromerzeuger (konventionelle Kraftwerke) braucht. Je höher der Anteil volatiler EE, desto höher die Kosten und damit der Volkswirtschaftliche Schaden. Kann sich D als Industrienation den höchsten Strompreis auf Dauer leisten? Insbesondere jetzt, nach Corona wo sich in allen Staaten die Schuldenberge nur so türmen?
Alle von dir genannten technischen Lösungen halte ich grundsätzlich für technisch machbar. Allerdings halte ich es für Wirtschaftlich nicht machbar. Können wir es uns erlauben eine Statistisch alle 5 Jahre wiederkehrende europaweite Dunkelflaute nicht abzudecken? Denn wenn wir diese mit den von dir genannten Mitteln abdecken wollen wird das unglaublich teuer weil deutlich grösser 50% der Stromerzeuger jeweils während 5 Jahren grossmehrheitlich rumstehen. Wer will schon ein Biomasse Kraftwerk bauen, wenn er diese gemäss dir nur im Winter betreiben darf? Gaskraftwerke welche du als Backup nennst sind entweder grob klimaschädlich wegen deren CO2 Ausstoss oder hochgradig unwirtschaftlich da der Wirkungsgrad um Erdgas mittels Power to Gas herzustellen sehr tief ist. Zudem kommt die Problematik, dass wenn ein Kraftwerk grösstenteils rumsteht es anfällig für Standschäden wird was der Netzstabilität wieder nicht zuträglich ist und die Kosten nochmals erhöht. Es ist eben alles nicht so einfach, wenn man zuverlässigen, kostengünstigen, weitgehend CO2 neutralen Strom will, um möglichst viele Anwendungen auf Strom umzustellen. Lässt man eine der genannten Anforderungen beiseite, wird es sofort viel einfacher, aber ist dies unser "langfristiges" Ziel?
Bei den E-Autos bin ich voll bei dir, das sehe ich auch weit weniger problematisch als HWS. Ich lehne mich sogar aus dem Fenster und behaupte, dass in zehn Jahren fast ausschliesslich (grösser 90%) nur noch E-Autos verkaufen werden da bis dann deutlich günstiger als Verbrenner. Wir werden daher das Problem Strom fürs E-Auto schon sehr Zeitnah lösen. Auch wenn sich das die Mehrheit heute so noch nicht vorstellen kann.
 
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Simineon

Erfahrenes Mitglied
23.03.2013
2.446
388
FRA
Zwei Fahrzeuge auf der Transrapid-Strecke war einer zuviel...
...aber Atomkraft ist sicher!

Die Menschheit glaubt immer alles fest im Griff zu haben, bewiesen durch Unmengen an Studien. Trotzdem macht es plötzlich durch Pillepalle Fehler oder unberechenbarer Natur Buuuuuuuuuuuuummmmmmmmmmm
Aber naja, die Menschheit arbeitet halt mit Vollgas an ihrer eigenen Ausrottung

Genau deswegen sollte man KKWs bauen, die nicht so gross BUMM machen, sondern vielleicht nur leise vor sich hintröpfeln und durchaus beherschbare Brände im Fehlerfall erzeugen.